{"id":267,"date":"2011-07-14T15:23:43","date_gmt":"2011-07-14T15:23:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stephanrath.com\/?p=267"},"modified":"2011-07-14T15:51:07","modified_gmt":"2011-07-14T15:51:07","slug":"jolly-goods-%e2%80%9ewalrus%e2%80%9c-staatsaktrough-trade-voe-23-09-11","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stephanrath.com\/?p=267","title":{"rendered":"Jolly Goods  \u201eWalrus\u201c (Staatsakt\/Rough Trade) Voe 23.09.11"},"content":{"rendered":"<h2>Unterwasserseelen<\/h2>\n<p><em>\u201eThe time has come, the Walrus said \/ To talk of many things: \/ Of shoes and ships and sealing wax\/ Of cabbages and kings \/ And why the sea is boiling hot \/ And whether pigs have wings.\u201c<\/em>, so reimt Lewis Carrolls in \u201eThe Walrus and The Carpenter\u201c, jenem wundersamen Gedicht aus \u201eAlice behind the Mirrors\u201c das John Lennon einst zum Text von \u201eI am the walrus\u201c von den Beatles inspiriert haben soll. <a href=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/jollygoodswalruscover_.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-268\" title=\"jollygoodswalruscover_\" src=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/jollygoodswalruscover_-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/jollygoodswalruscover_-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/jollygoodswalruscover_-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/jollygoodswalruscover_-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/jollygoodswalruscover_.jpg 1444w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nun kommt nach langen Jahren also endlich mal wieder ein unter majest\u00e4tischen Fettschichten verborgenes Walross heraufgerobbt \u2010 auf die Scheiben, die unsere Welt bedeuten: Die <strong>Jolly Goods<\/strong>, jenes fauchende, bis unter die S\u00e4belz\u00e4hne mit musikalischem K\u00f6nnen bewaffnete laute, triumphierende Schwestern\u2010Duo, einst in Rimbach geboren,\u00a0 um von dort von ihrer Noiserockmusik angetrieben nach Berlin zu fliehen. Diese Google\u2010Recherche nach einem kulturellen Kontext im Meer der unendlichen M\u00f6glichkeiten mag f\u00fcr manch einen erheiternd gewesen sein \u2010 aber sie tut nat\u00fcrlich nichts zur Sache. Einfach gar nichts. Es ist und bleibt oberfl\u00e4chliches Auskennergeschwafel um Rock\u2010Historie bem\u00fcht. Und eben nur eine abgestaubte, faule Recherche eines bequemen Autors.<\/p>\n<p>Bei dem zweiten Album der <strong>Jolly Goods<\/strong> aber geht es schlichtweg um Aktualit\u00e4t! Um Expression. Um Dynamik. Um Sturm. Und um w\u00fctende Reaktion. Um die Millisekunden vor, w\u00e4hrend und nach dem Urknall! Ohnm\u00e4chtig vor Schmerzen erhallt hier im unendlichen Chaos, das jedem Moment auf diesem Planeten inne wohnt, ein rauschhafter Strom, in den man sich im Sinne Kurt Smith oder Patti Cobains an Land mit seinen jaulenden Instrumenten hineinbegibt, w\u00e4hrend die Trommeln der Verdammnis jedes Kettenglied der freiwilligen Gefangenschaft auf Erden zum Klirren bringen:<\/p>\n<p><em>\u201eDon&#8217;t change your ways!\u00a0 Don&#8217;t change your life! Don&#8217;t change your ways! Don&#8217;t change your life\u201c<\/em> br\u00fcllt Gitarristin und S\u00e4ngerin Tanja Pippi in \u201eTry\u201c und beschw\u00f6rt sich selbst wie in einem heidnischen Stechapfelrausch, w\u00e4hrend Schwester Angy unersch\u00fctterlich die Trommelfelle in der Garage bearbeitet. Es ist erstaunlich zu h\u00f6ren, wie sehr die<strong> Jolly Goods<\/strong> mit diesem Album im Jahr 2011 schockieren k\u00f6nnen. Und wie unselbstverst\u00e4ndlich diese Musik zwischen Riot Grrrl, Noiserock und Folk dabei daher kommt. Wie sehr hier mit Rockgitarre, Schlagzeug und einem vor Euphorie und Hysterie \u00fcberschlagendem Gesang an der Raufaser-tapete der Gesellschaft gekratzt wird. W\u00e4hrend sich die Musikerkolleg_Innen im Indielalaland zwischen Formatradio tauglichem Discopunk und wohltemperierter Kammermusik in gespieltem Wohlklang und Biedermeiertum \u00fcben und sich die Musik einfach nicht mehr vom Klangteppich einer d\u00fcmmlichen Anti\u2010Aging\u2010Creme\u2010Werbung unterscheiden l\u00e4sst, sprie\u00dfen hier in jeder Sekunde buchst\u00e4blich gemeine Pickel auf die Oberfl\u00e4che der verlogenen Saubermann\u2010Popspassgesellschaft: Pickel der Vergiftung \u2010 eine allergische Reaktion auf das Leben an Land. Selbst die vers\u00f6hnlichen Momente \u2010 erweitert um das Hochkultur\u2010Instrumentarium Klavier, Orgel, Kontrabass oder Glockenspiel \u2010 lassen einen in ihrer schauderhaften Sch\u00f6nheit eher an eine Kurzgeschichte von HP Lovecraft denken, als anirgendwas mit Liebe.<\/p>\n<p>Dass ausgerechnet <strong>Dirk von Lowtzow<\/strong> mit diesem Album sein Deb\u00fct als Produzent gibt, macht diese Platte umso erstaunlicher. Der Tocotronic\u2010S\u00e4nger sieht sich selbst bei diesem Album zwar mehr als so etwas wie ein Produktionspraktikant, aber wen sonst h\u00e4tten die <strong>Jolly Goods<\/strong> im Studio um Rat fragen sollen, als jenen verdienten K\u00fcnstler, der bereits in den 90er Jahren dem Jungsrockding ins Gesicht g\u00e4hnte. Und das auch noch <strong>Hans Unstern<\/strong> im Chez Cherie\u2010Studio in der Berliner Sonnenallee als Produzent zugegen war macht das Bild perfekt.<\/p>\n<p><strong>Wir fassen \u2013 langsam zum mitschreiben \u2013 noch einmal zusammen: \u201eWalrus\u201c ist einw\u00fctendes, sonisches Noiserockalbum mit schaudrig\u2010sch\u00f6nen Folk\u2010Momenten produziert von Dirk von Lowtzow und Hans Unstern.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/3Jolly-Goods-Photo-by-Jolly-Goods1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-270\" title=\"3Jolly Goods - Photo by Jolly Goods\" src=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/3Jolly-Goods-Photo-by-Jolly-Goods1-300x203.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"203\" srcset=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/3Jolly-Goods-Photo-by-Jolly-Goods1-300x203.jpg 300w, http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/3Jolly-Goods-Photo-by-Jolly-Goods1-1024x693.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Hier jetzt weiter auf dem feministischen Background von zwei jungen, erwachsenen Frauen im Wirtschaftssegment Rock mit dem Wissen um Punkrock, also Do\u2010It\u2010yourself einzugehen w\u00e4re in etwa so \u00fcberfl\u00fcssig wie der Hinweis auf das Vorhandensein von W\u00fcrsten und Bier in einem Sch\u00fctzenfestzelt&#8230;<\/p>\n<p><em>\u201eO Oysters, said the Carpenter \/ You had a pleasant run! \/ Shall we be trotting home again? \/ But answer came there none \/ And this was scarcely odd, because \/ They&#8217;d eaten every one. \u201c<\/em> Auch das <strong>Jolly\u2010Goods<\/strong>\u2010Walross st\u00fcrzt sich gerade in eine solche Fressorgie. Es f\u00e4ngt gerade erst an in einladender Dekadenz Austern zu schl\u00fcrfen und Champagner zu trinken. Dieses queere Borderline\u2010Walrus l\u00e4d auf seine Eisscholle ein:<em> I&#8217;m a free walrus again, Floating on the ice floe Captain of the universe That you build. And I Constantly Destroy <\/em><\/p>\n<p>Seine Seele aber bleibt ein Unterwasserwesen&#8230;<\/p>\n<p>Maurice Summen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.jollygoods.org\">www.jollygoods.org<\/a><\/p>\n<p><object classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" width=\"425\" height=\"350\" codebase=\"http:\/\/download.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=6,0,40,0\"><param name=\"src\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/6ONEIlHQW_4&amp;feature\" \/><embed type=\"application\/x-shockwave-flash\" width=\"425\" height=\"350\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/6ONEIlHQW_4&amp;feature\"><\/embed><\/object><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterwasserseelen \u201eThe time has come, the Walrus said \/ To talk of many things: \/ Of shoes and ships and sealing wax\/ Of cabbages and kings \/ And why the sea is boiling hot \/ And whether pigs have wings.\u201c,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[11],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/267"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=267"}],"version-history":[{"count":12,"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/267\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":282,"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/267\/revisions\/282"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=267"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=267"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=267"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}