{"id":382,"date":"2012-01-02T13:45:09","date_gmt":"2012-01-02T13:45:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stephanrath.com\/?p=382"},"modified":"2012-01-02T13:45:53","modified_gmt":"2012-01-02T13:45:53","slug":"christian-naujoks-%e2%80%93-true-lifein-flames-dial-kompakt-%e2%80%93-27-02-12","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stephanrath.com\/?p=382","title":{"rendered":"Christian Naujoks \u2013 True Life\/In Flames (Dial \/ Kompakt \u2013 27.02.12)"},"content":{"rendered":"<p><strong>True Life\/In Flames <\/strong>\u2013 nach seinem selbstbetitelten Debut aus dem Jahr 2009 das zweite Album von<strong> Christian Naujoks <\/strong>\u2013 klingt wie aus einem Guss. Am Anfang ist alles ganz leise und am Ende auch. Es gibt ein Klavier, gespielt von Naujoks; es gibt die Marimba von Martin Krause; und dazu: Naujoks\u2019 Stimme \u2013 einmal, zweimal. Man k\u00f6nnte dieses Album als Suite mit verschiedenen S\u00e4tzen bezeichnen \u2013 geklammert ebenso von der auff\u00e4lligen Reprise seiner beiden songhaftesten St\u00fccke, \u201eMoments I\u201c und \u201eMoments II\u201c, wie auch von der sparsam-gleichbleibenden Instrumentierung und dem Verweis auf den Ort der Aufnahme in einer Schwarz-Wei\u00df-Fotografie auf dem Cover: <a href=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/dial_CD_24_cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-383\" title=\"dial_CD_24_cover\" src=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/dial_CD_24_cover-300x296.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"296\" srcset=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/dial_CD_24_cover-300x296.jpg 300w, http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/dial_CD_24_cover-1024x1012.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>die Laeiszhalle der Philharmonie Hamburg. Auf der fast h\u00f6hlenartigen B\u00fchne stehen Klavier und Marimba, umgeben von Notenst\u00e4ndern, Mikrofonen und gestapelten SE 68 SU-St\u00fchlen von Egon Eiermann. Echte Instrumente unter sich.<br \/>\n<strong>True Life\/In Flames<\/strong> verzichtet anders als Naujoks\u2019 Erstling konsequent auf jeden Einsatz elektronischer Klangerzeugung. Stattdessen steht hier die konsequente Stilisierung dessen, was man \u201eorganischen Klang\u201c nennen k\u00f6nnte. Analog dazu wird die Figur des Bedroom-Producers von der des Komponisten und Pianisten abgel\u00f6st. Eine konzentrierte Konzertatmosph\u00e4re bestimmt das Bild. Stringente Serialit\u00e4t verbindet sich auf eine Weise mit Moll-Romantik, wie man sie auch in einer bestimmten (und eher popul\u00e4ren) Ecke klavierbasierter Neuer Musik des 20. Jahrhunderts, bei Michael Nyman, Wim Mertens, Arvo P\u00e4rt oder Gy\u00f6rgy Kurt\u00e1g, finden kann. Tiefe Kontemplation, Pathosschwere des Ausdrucks gepaart mit intellektueller Klarheit. Jede Note hat Gewicht, jeder Klang eine Bestimmung.<br \/>\nDoch auf Naujoks\u2019 B\u00fchne steht nicht zuletzt dieser tief aus sich heraus sch\u00f6pfende K\u00fcnstler selbst, dessen Bild hier evoziert wird. Zur Auff\u00fchrung gebracht wird in einer reflexiven Volte die gro\u00dfe Geste ebenso wie die Chim\u00e4re vom \u201eOrganischen\u201c und sowieso alles Authentische, das im Titel als sich verzehrendes, als brennendes und echtes Leben angek\u00fcndigt wurde. Denn Naujoks hat seinem Werk, das wie aus einem Guss klingt und mit ein und derselben Feder geschrieben zu sein scheint, nicht zuletzt auch die Musik der Anderen einverleibt.<br \/>\nKeine dieser Referenzen wird jedoch allzu deutlich ausgestellt, und ebenso wenig wie Naujoks sich in den Credits als Komponist zu erkennen gibt (er zeichnet sich nur f\u00fcr Piano und Gesang verantwortlich), legt er seine Zitate namentlich offen. Das Resultat ist eine offene Musik der Vielen, die das Eigentliche ebenso sehr dem Uneigentlichen \u00f6ffnet, wie sie es umgekehrt in eine starke eigene Struktur zur\u00fccksynthetisieren kann. Dass dem so ist, liegt vor allem daran, dass man es hier mit einer geschlossenen Inszenierung zu tun hat. True Life\/In Flames als rein medienreflexives Statement zu Urheber- und Authentizit\u00e4tsfragen zu lesen, macht keinen Sinn, solange man sich nicht dieser zweiten Seite widmet: der Auff\u00fchrung eines komplett durchkomponierten und in der Laeiszhalle schlie\u00dflich mit lebendiger Instrumentierung unter Leitung von <strong>Tobias Levin<\/strong> eingespielten St\u00fcckes, welches die Wahrheit im Augenblick besingt. Denn gerade in seiner doppelten Verfremdung, im Schritt aufs B\u00fchnenparkett klassischer Musikkonventionen wird Theorie hier auf ganz seltsame Art zu \u201eechter\u201c Musik zweiter Ordnung.<\/p>\n<p>Dominikus M\u00fcller<\/p>\n<p><iframe width=\"640\" height=\"450\" scrolling=\"no\" frameborder=\"no\" src=\"https:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?visual=true&#038;url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Fusers%2F402954&#038;show_artwork=true&#038;maxwidth=640&#038;maxheight=750\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>True Life \/ In Flames<\/strong>:<br \/>\n1. Chamber Two<br \/>\n2. On to the Next<br \/>\n3. Moments I<br \/>\n4. Diver<br \/>\n5. True Life \/ In Flames<br \/>\n6. Untitled Piano Take<br \/>\n7. You Are Everything<br \/>\n8. Dancer<br \/>\n9. Moments II<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>True Life\/In Flames \u2013 nach seinem selbstbetitelten Debut aus dem Jahr 2009 das zweite Album von Christian Naujoks \u2013 klingt wie aus einem Guss. 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