{"id":427,"date":"2012-03-16T15:58:06","date_gmt":"2012-03-16T15:58:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stephanrath.com\/?p=427"},"modified":"2014-08-22T14:45:19","modified_gmt":"2014-08-22T14:45:19","slug":"f-s-k-%e2%80%9dakt-eine-treppe-hinabsteigend%e2%80%9d-buback-tontrager-nur-auf-vinyl-incl-cd-und-als-download-erhaltlich-voe-11-05-2012","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stephanrath.com\/?p=427","title":{"rendered":"F.S.K. \u201dAkt, eine Treppe hinabsteigend\u201d Buback Tontr\u00e4ger (nur auf Vinyl incl.CD und als Download erh\u00e4ltlich) VOE: 11.05.2012"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Denkbilder&#8220;, so nannte Marcel Duchamp seine Arbeiten mit denen er vor allem der damaligen Avantgarde eins auswischen wollte. Womit wir schon in der aktuellen <a href=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/FSK_Cover_web.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-428\" title=\"FSK_Cover_web\" src=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/FSK_Cover_web-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/FSK_Cover_web-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/FSK_Cover_web-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/FSK_Cover_web.jpg 454w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>F.S.K.-Referenzh\u00f6lle gelandet w\u00e4ren, deren Musik ja auch immer als &#8222;Denkmusik&#8220; betitelt wird. Finden sich bei Duchamp doch mit Arbeiten wie der Mona Lisa mit Bart oder &#8222;Rrose S\u00e9lavy&#8220; auch genau jene die Geschlechterzuordnungen verwirrenden Themen, um die es bei F.S.K. im Grunde immer schon gegangen ist, und bei denen sich diesmal &#8222;Unter dem Regenbogen&#8220; zu einer Art geheimnisvollem Minimal-Velvet Underground-Funk &#8222;im Zaubergarten von Oz&#8220; verlaufen wird.<\/p>\n<p>&#8222;Der &#8218;Akt'&#8220;, erkl\u00e4rt<strong> Thomas Meinecke<\/strong>, &#8222;der im franz\u00f6sischen Originaltitel ja &#8218;Nu&#8216; hei\u00dft und im Englischen auch mit &#8218;Nude&#8216; \u00fcbersetzt wird, ist gleichsam ein politischer Akt. Ein &#8218;Act Up!&#8216; bei dem die Stiefel, die auf dem Cover zu sehen sind, auch schon mal zutreten k\u00f6nnen&#8220;. &#8222;Wir sagen ja: Akt, eine Treppe hinabsteigend. Bei uns geht es ja um den Akt, die Handlung, die am Fu\u00dfe der Treppe ausgef\u00fchrt wird&#8220;, erg\u00e4nzt <strong>Michaela Meli\u00e1n<\/strong>. &#8222;Genauer gesagt, geht es um <strong>Beate Klarsfeld<\/strong>, die nach vorn geht und dem Kanzler eine Ohrfeige gibt und nicht um den Blick hinauf zu der nackten Frau, die zu einem herabsteigt.&#8220;<\/p>\n<p>Duchamps &#8222;Idee einer Bewegung&#8220;, die den Kubismus vor allem um Elemente des noch jungen Mediums Film erweitert, spinnen F.S.K. mit ihrem aktuellen Akt, als Idee einer Musik, die &#8222;kubistisch klingt&#8220;, weiter, ohne jedoch dabei kubistische Musik im engeren Sinn zu machen. Immerhin empfanden schon die Kubisten Duchamps &#8222;Akt&#8220; als &#8222;ein wenig daneben&#8220;.<\/p>\n<p>Viel eher kommen die kubistischen Gitarren (etwa jene von George Braque oder Juan Gris) deshalb ins Spiel, weil F.S.K. diesmal als Versuchsanordnung ihr altes Rockinstrumentarium wieder hervorgekramt haben. Soll hei\u00dfen: <strong>Justin Hoffmann<\/strong> hat die E-Gitarre wieder ausgepackt und l\u00e4sst seinen die letzten Alben markant gestaltenden DX7-Synthesizer etwas in den Hintergrund treten, <strong>Thomas Meinecke<\/strong> und <strong>Wilfried Petzi<\/strong> lassen ihre Gitarren heftig r\u00fcckkoppeln. Nur, was tun damit?<\/p>\n<p>&#8222;Rockmusik&#8220; geht auf alle F\u00e4lle nicht (auch wenn beim Lied \u00fcber die durch\u00a0 Missy Elliott, Timbaland\/Magoo, Busta Rhymes, Aaliyah sowie Glen Campbell und Crystal Gayle <a href=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/F.S.K._Foto_2012.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-429\" title=\"F.S.K._Foto_2012\" src=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/F.S.K._Foto_2012-300x171.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"171\" srcset=\"http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/F.S.K._Foto_2012-300x171.jpg 300w, http:\/\/www.stephanrath.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/F.S.K._Foto_2012-1024x585.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>ber\u00fchmt gewordenen &#8222;Master Sound Recording Studios&#8220; mal kurz ein diesbez\u00fcgliches Fremdgehen performt wird). Aber auch simpler Anti-Rock w\u00e4re zu einfach gewesen, selbst wenn an einigen Stellen Updates des bandinternen Diskurses mit dem eigenen Werkkatalog (ihre Deb\u00fct-LP &#8222;St\u00fcrmer&#8220; von 1981 wurde ja erst vor einigen Monaten wiederver\u00f6ffentlicht) durchschimmern. Zwar mag der zentrale Track &#8222;Eine Ohrfeige f\u00fcr Kurt Georg Kiesinger&#8220; mit seinen laut klatschenden Sounds in einem Ohr an No Wave erinnern, im anderen Ohr wird das jedoch gleich als Disco-Edit resignifiziert. Als Loop, der immer wieder an derselben Stelle den Anfang wiederholt.<\/p>\n<p>F.S.K. drehen hier gleichsam ihren eigenen Spie\u00df um: Statt Techno- oder Disco-Tracks in das Format Band zu \u00fcbersetzen, \u00fcberpr\u00fcfen sie nun das Format Rocksong auf seine Tracktauglichkeit hin. Das bedeutet zuerst einmal das Ausmisten von Breaks und Refrains (auch wenn sich einige Melodien beim gelegentlich sehr extravaganten Verbiegen der Songtexte als Quasi-Refrains maskieren), sowie die Reduktion auf maximal ein Riff oder manchmal nur einen Akkord. Am besten gleich mit drei Gitarren inklusive nerv\u00f6s herumeiernden, entfernt von den Frippertronics ausgeliehenen N\u00f6rgelsounds (&#8222;Erykah sagt&#8220;).<\/p>\n<p>Dazu ein Sound (erneut aufgenommen in Hamburg von <strong>Ted Gaier und Mense Reents<\/strong> im Art Blakey Studio, sp\u00e4ter abgemischt von <strong>Tobias Levin<\/strong> im Electric Avenue Studio) von einer Klarheit, der all das sonische Scheuern, Schrammeln, Kratzen, Rauschen und Vibrieren (exemplarisch daf\u00fcr &#8222;Gute Nacht&#8220;) sowie das permanente bis penetrante Schellen des Tambourins erst so richtig zur Geltung kommen l\u00e4sst. Nicht zu vergessen <strong>Carl Oesterhelts<\/strong> stoisch getrommelter und von <strong>Michaela Meli\u00e1ns<\/strong> Dub-Bass elegant umkreister Beat-Kubismus zwischen Jaki Liebezeit und Moe Tucker. Dabei ist zudem nicht immer klar, was wir da gerade h\u00f6ren. Nachdem <strong>Wilfried Petzi<\/strong> schon mal bewiesen hat, dass eine Mandoline auch wie eine House-Hi-Hat klingen kann, treten die Gitarren diesmal quasi &#8222;in drag&#8220; auf und geben sich als Synthesizer aus (&#8222;Josephine Baker in Paris&#8220;) oder legen das Sun Ra-Diktum, nach dem jedes Instrument immer auch ein Perkussions-Instrument ist, beim synkretistischen Humb-Ta-Polka als Dubstep-Samba-Verwirrspiel &#8222;Logisch&#8220; auf ihre Art und Weise aus.<\/p>\n<p>F.S.K. bringen dabei auch noch Duchamps &#8222;Idee einer Bewegung&#8220; ins Spiel, mit der das vermeintliche auf der Stelle Treten im Loop ja auch als etwas ganz anderes gesehen werden kann: Als Kreisen, Flanieren und Tanzen in der Schlaufe, der Schleife, dem Loop, dem Regelkreis.<\/p>\n<p>Oder wie es Thomas Meinecke anmerkt: &#8222;Musik von Verr\u00fcckten. Eckig,<br \/>\nkantig, humpelnd, rumpelnd, holpernd.&#8220;<\/p>\n<p>Didi Neidhart<\/p>\n<p>Produktion und Aufnahme:<br \/>\nTed Gaier und Mense Reents gemeinsam mit F.S.K. im Art Blakey Studio in Hamburg.<br \/>\nGemischt von Tobias Levin, Electric Avenue Studio.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Denkbilder&#8220;, so nannte Marcel Duchamp seine Arbeiten mit denen er vor allem der damaligen Avantgarde eins auswischen wollte. Womit wir schon in der aktuellen F.S.K.-Referenzh\u00f6lle gelandet w\u00e4ren, deren Musik ja auch immer als &#8222;Denkmusik&#8220; betitelt wird. Finden sich bei Duchamp&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[21,11],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/427"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=427"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/427\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":431,"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/427\/revisions\/431"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=427"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=427"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stephanrath.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=427"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}